FAQ zum Bardarbunga

Wann bricht der Bardarbunga aus?

Die Antwort auf diese Frage weiß keiner. Man kann nicht mal sagen ob es überhaupt zu einer Eruption kommen wird. Drei Szenarien werden aber von den Wissenschaftlern des IMO für am Wahrscheinlichsten gehalten:

1. Die Absenkung der Bardarbunga Caldera stoppt und die Eruption im Holuhraun Lavafeld ebbt allmählich ab.

2. Eine große Absenkung der Caldera, die die Eruption im Holuhraun Lavafeld verstärkt oder verlängert. In dieser Situation ist es wahrscheinlich, dass die Ausbruchsspalte Richtung Dyngjujökull weiter aufreißt, was zu einem Gletscherlauf und zu einer Ascheeruption führen würde. Es ist außerdem möglich, dass eruptive Risse unter anderen Stellen am Gletscher entstehen.

3. Eine große Absenkung der Caldera, die zu einem Ausbruch der Caldera führt. Infolgedessen würden große Mengen an Eis schmelzen und es würde ein gewaltiger Gletscherlauf entstehen. 

Wenn es zu einem Ausbruch kommt, wie groß wird er?


Die größte Eruption des Bardarbunga war ein VEI 6 im Jahr 1477, aber die meisten Eruptionen waren nicht mal ansatzweise so stark. 

Wird der Ausbruch viel Asche produzieren?


Wenn er unter dem Gletscher stattfindet, ist das durchaus möglich. Wenn die Eruption sich jedoch weiterhin nur auf die Spalten konzentriert, wird es keine Asche geben.

Wird die Eruption globale Auswirkungen haben? 

Da der größte Ausbruch der Caldera ein VEI 6 war, sind globale Auswirkungen nicht zu erwarten. Jedoch hat er durchaus das Potenzial die Landschaft Islands zu verändern.

Ist es möglich, dass die Schwefeldioxidwolke Europa erreichen wird? 

Um diese Distanz zurückzulegen müsste viel mehr SO2 ausgestoßen werden. Dann müsste noch die Windrichtung stimmen. Unter folgendem Link könnt Ihr die Richtung der Eruptionswolke immer beobachten: http://so2.gsfc.nasa.gov/pix/daily/0914/iceland_0914z.html


Was ist das Holuhraun Lavafeld? 


Das Holuhraun Lavafeld ist das Gebiet, in der die Spalteneruption zur Zeit stattfindet. Geformt wurde es durch eine Spalteneruption die der aktuellen sehr ähnlich war.


Die Erdbebenaktivität hat nachgelassen. Bedeutet dies nun das Ende der Eruption? 


Das Magma hat einen Weg an die Erdoberfläche gefunden. Somit trifft das Magma beim Aufstieg auf weniger Widerstand und Druck wird abgebaut. 


Wieso wird die Magnitude einiger Erdbeben nachträglich noch korrigiert? 


Alle Erdbeben werden automatisch mit ihrer Stärke, Tiefe und dem Epizentrum durch eine Software aufgezeichnet. Diese Software kann aber manchmal fehlerhaft sein. Alle Erdbeben werden manuell durch Seismologen kurz nach ihrem Erscheinen geprüft und falls nötig korrigiert.


Wie weit sind die Mila Webcams von der Eruptionsstelle entfernt und wo stehen Sie genau? 


Die Webcams stehen ungefähr 20 Kilometer entfernt. Sie sind östlich der Askja positioniert. Hier eine Karte: 

Wieso wackelt die Webcam dauerhaft? Ist das durch Erdbeben oder Tremor? 


Wenn Sie die Webcam schon einige Zeit beobachten und sie dann plötzlich anfängt zu wackeln und wieder still ist danach, war es ein Erdbeben. Wenn die Kamera aber durchgehend am Wackeln ist, wird dies durch Wind ausgelöst.

6 Kommentare zu FAQ zum Bardarbunga

  1. Scotti sagt:

    Gratuliere! Eine wirklich kompetente Berichterstattung, die ich sehr gerne lese.
    Ich sehe mir auch immer wieder die Caldera GPS Aufzeichnungen an und habe einige Fragen!

    Bewegt sich die Caldera tatsächlich über 3 Meter ohne einzubrechen?
    Manche Erdbeben zeigen eine Tiefe von 0,1 bis 0,7 KM. Ist das nicht in der Eisschicht, die so dick geschätzt wird?
    Kann man sich einen unterirdischen See hier vorstellen, der hin und her schwappt?

    • Hallo Scotti,

      ich nehme an mit den 3 Metern meinst du den aktuellen GPS Graph und das damit verbundene auf und ab von heute Morgen. Die rote Linie hat einen Messintervall von 30 Minuten. Ihr stehen um genaue Angaben zu machen zu wenig Daten zur Verfügung. Die Messungen können durch verschiedenste Sachen beeinträchtigt werden. Die blaue Linie mit dem Intervall von 180 Minuten ist die verlässlichere und „bügelt“ alles wieder „gerade“.

      Die Erdbeben mit einer Tiefe von 0,1-0,7 km sind nicht im Eis bzw im Gletscher. Der Gletscher fängt erst ab ca. 1000 Höhenmeter an. Gut zu sehen in den Grafiken in folgendem Bericht: http://www.vulkane-islands.de/2014/09/11/drei-moegliche-szenarien/

      Ein See unter dem Gletscher wird derzeit immer wahrscheinlicher. Durch die geothermalen Aktivitäten schmilzt das Wasser, kann aber nicht entweichen. Entweder es sickert durch das Gestein nach unten und wird zu Explosionen und neuen Erdbeben führen, oder es sammelt sich zu einem See der durchaus bei genügend Volumen aus dem Eis hinausbrechen könnte und einen gewaltigen Gletscherlauf auslöst. Dieses Verhalten wurde schon öfters an der Katla beobachtet.

      Ich hoffe ich konnte soweit alle deine Fragen beantworten.
      Liebe Grüße

  2. Franz sagt:

    Hallo,

    wirklich tolle Seite, macht echt Spaß die Updates zu verfolgen.

    Was mich aber dringend interessiert ist, ob man an die Ausbruchstelle heran kommt, ob mit Führer oder sonstiges. Da ich selbst grad im Geologie Studium bin und schon nicht beim Eyjafjallajökull vor Ort war, wäre es mehr als interessant das mit eigenen Augen zu verfolgen, auch wenn mir die Gefahren bewusst sind 🙂
    Hab nur gehört das einige Flussfurten gesperrt wurden wegen einem möglichen Gletscherlauf, doch beim Eyjafjallajökull konnte man ja auch auf eigene Faust hoch fahren.
    Wäre vielleicht auch ganz gut sowas noch mit ins FAQ zu übernehmen, habe da auch noch nichts weiteres im Internet gefunden.

    Mit freundlichen Grüßen

    • Hallo Franz,

      die komplette Eruptionsstelle ist absolutes Sperrgebiet. Du kommst nur mit einer Sondergenehmigung an das Gebiet heran. Unbefugten in dem Gebiet drohen sehr sehr hohe Strafen.
      Ganz aktuell sind gestern zwei Polizisten trotz Gasmaske in 2-3 km Entfernung zur Spalte fast erstickt. Plötzlich wechselnde Winde machen das SO2 unberechenbar. Außerdem besteht dauerhaft die Gefahr eines Gletscherlaufs, welcher innerhalb von 30 Minuten das Lavafeld erreichen würde und somit kaum Chance auf eine Evakuierung besteht.

      Liebe Grüße

      • Franz sagt:

        Guten Morgen,

        vielen Dank für die Informationen! Wäre es möglich, dass das Sperrgebiet aufgehoben wird sobald die Gaskonzentration nachlässt und die Gefahr eines Gletscherlaufes so gut wie gebannt ist?
        Wäre sicher für den Tourismus auch mehr als interessant, ganz nah an die Spalte zu gelangen, bzw. Rundflüge zu veranstalten.

        Liebe Grüße

        • Damit die Gefahr eines Gletscherlaufes gebannt ist müsste der Bardarbunga erstmal komplett wieder Ruhe geben. Auch dürfte die Spalte nicht mehr entgasen und müsste somit die Aktivität auch komplett eingestellt haben. Das alles wird sicherlich noch Monate dauern.
          Die Möglichkeit der Rundflüge besteht aber. Es gibt Gesellschaften, die bieten ab Mývatn oder auch Akuyeri Rundflüge über das Gebiet der Spalteneruption an. Auch Helikopterrundflüge sind buchbar, aber um einiges teurer. Ab Reykjavik besteht glaube ich auch die Möglichkeit.

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